Diskretion bei der Bewerbung – Kann man dem Arbeitgeber trauen?

Immer wieder kommt die Frage auf, ob man in einer Bewerbung einen Hinweis einbauen soll, der für Geheimhaltung der Bewerbung sorgt.

Ein Sperrvermerk – Wozu taugt der in der Bewerbung?

Zugegeben: Zu Zeiten, in denen Positionen in Zeitungen ausgeschrieben wurden und per Chiffre weitergleitet wurden, bestand das Risiko, dass man sich eventuell beim eigenen Arbeitgeber oder einer Firma bewirbt, zu der man nun so gar nicht möchte. Der Arbeitgeber blieb dabei ja zunächst anonym – die katze im Sack. Dann erhielt die Redaktion „Kleinanzeigen“ den Sperrvermerk „Bitte nicht an Firma x, y oder z weiterleiten.“ Damit konnte man peinliche Situationen gut vermeiden.

Aber auch andere Situationen sind denkbar: Die umworbene Firma kontaktiert meinen jetzigen Arbeitgeber oder stellt anderen Blödsinn damit an.

Tatsächlich gibt es zum Schutz vor so etwas scheinbar ein Allheilmittel. Den Hinweis auf Vertraulichkeit in der Bewerbung. Zahlreiche Vorlagen für Anschreiben und Bewerbungsmuster, in denen ein Satz steht, der ungefähr so lautet:

„Da ich mich in ungekündigter Stellung befinde, bitte ich meine Bewerbung vertraulich zu behandeln.“

Soweit so gut. Da sind wir jetzt aber sowas von safe, Alter!
Klar: Wer will schon gern, dass der potenzielle, neue Arbeitgeber den alten Arbeitgeber anruft und beide munter über den Mitarbeiter herziehen? Und die Weitergabe an Dritte – wie Personaldienstleister – ist sicherlich auch nicht im Sinne des Bewerbers.

Ergibt also der Hinweis auf Diskretion in der Bewerbung also Sinn?

Nein. Zumindest nicht, wenn man sich folgenden logischen Sachverhalt anschaut: Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der Empfänger eines Hinweises dieser Art damit umgehen kann.

1. Er ist eine ehrliche Haut und nimmt das sehr ernst.

2. Er ist ein Scharlatan und schert sich einen feuchten Käse darum.

Im Falle des ehrlichen Arbeitgebers, habe ich auch ohne Hinweis nichts zu befürchten, da er sich an Recht und Gesetz hält und selbstverständlich diskret mit den Unterlagen umgeht. Im Falle des eher „lockeren“ Personalers, der es nicht so genau mit Datenschutz nimmt ist es fraglich, ob er so einen Hinweis überhaupt ernst nimmt. Der sucht dann auch munter bei Facebook nach Partyfotos und reicht das Foto der „süßen Maus“ oder des „krassen Nerds“ in der Kantine herum.

Im Endeffekt ist es also völlig wurscht. Oder Nicht?

Viel mehr noch: Den gesetzeskonform agierenden Anbieter verdächtige ich implizit durch meinen Hinweis auf Datenschutz, da er sich ja direkt angesprochen fühlen muss. So, als ob ich zum Ober sagen würde: „Bitte spucken Sie nicht in meine Suppe!“

Und wenn es ganz doof kommt, steht man dann selbst als derjenige dar, der Grund zum Misstrauen liefert. Denn wie sagt das alte Sprichwort: Es sucht niemand hinter der Hecke, hinter der er nicht selbst schon saß!

In diesem Sinne: Locker bleiben und sich auf das Wesentliche konzentrieren: Eine gute Bewerbung schreiben und auf das Gute im Arbeitgeber vertrauen.